
Fortbestehende Verdienstungleichheit
Nach der aktuellen Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland im Jahr 2025 bei 16 %. Das bedeutet: Frauen verdienten im Durchschnitt 16 % weniger pro Stunde als Männer. Damit ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben. Der so genannte bereinigte Gender Pay Gap – also der Verdienstunterschied, der nach statistischer Berücksichtigung von Merkmalen wie Branche, Aufgabe und Qualifikation verbleibt – lag bei 6 %. Diese Differenz spiegelt den Anteil der Lohnlücke wider, der statistisch nicht durch gemessene strukturelle Unterschiede erklärt werden kann.
Der Gender Pay Gap zeigt: Auch wenn ein Teil der strukturellen Unterschiede durch Arbeitszeit, Berufswahl und Branchenzugehörigkeit erklärbar ist, bleibt eine signifikante Lohnlücke bestehen. Frauen verdienen demnach im Durchschnitt weniger als Männer – und diese Ungleichheit bleibt über Jahre relativ stabil. Das beeinflusst nicht nur die aktuelle Vergütung, sondern auch langfristige Einkommen und Altersvorsorge.
Historie des Equal Pay Day
Der Equal Pay Day geht historisch auf eine internationale Aktion zurück, die in den USA in den 1980er-Jahren begann: Die Red Purse Campaign der Business and Professional Women (BPW) verband 1988 rote Taschen symbolisch mit den „roten Zahlen“ in den Geldbörsen von Frauen, um auf die ungleiche Bezahlung aufmerksam zu machen. Diese Idee wurde später in Deutschland aufgegriffen.
In Deutschland wurde der Equal Pay Day 2008 erstmals auf Initiative des BPW Germany als Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern durchgeführt. Seit 2009 wird der Termin jährlich anhand der aktuellen statistischen Lohnlücke berechnet und symbolisiert den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen rechnerisch „unbezahlt“ arbeiten müssten, um auf das durchschnittliche Jahresverdienstniveau von Männern zu kommen.
Entgelttransparenz ab 2026: Verbindlicher Rahmen für Gleichbehandlung
Parallel dazu wird der rechtliche Rahmen weiterentwickelt. Die europäische Entgelttransparenzrichtlinie muss bis 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Sie soll für mehr Klarheit und Vergleichbarkeit bei Gehältern sorgen.
Künftig müssen Unternehmen bereits im Bewerbungsverfahren Gehaltsspannen offenlegen. Beschäftigte erhalten weitergehende Auskunftsrechte. Größere Unternehmen werden zu regelmäßigen Berichten verpflichtet. Wird dabei eine geschlechtsspezifische Lohnlücke von mindestens fünf Prozent festgestellt und gibt es keine sachliche Begründung, sind konkrete Prüf- und Korrekturmaßnahmen vorgesehen.
Auch die Beweislast wird angepasst. Unternehmen müssen künftig darlegen können, dass ihre Vergütungsentscheidungen auf objektiven und diskriminierungsfreien Kriterien beruhen. Transparenz wird damit verbindlicher Bestandteil der Unternehmensorganisation.
Bedeutung für Praxis und Governance
Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander. Einerseits bleibt der Gender Pay Gap statistische Realität. Andererseits schafft der neue Rechtsrahmen klare Instrumente, um Entgeltgleichheit systematisch zu fördern.
Ab 2026 wird Entgelttransparenz fester Bestandteil moderner Compliance-Strukturen. Unternehmen müssen Vergütungssysteme klar dokumentieren, regelmäßig prüfen und diskriminierungsfrei ausgestalten. Transparenz wird damit von einer arbeitsrechtlichen Vorgabe zu einem Element guter Unternehmensführung.
Erforderlich sind nachvollziehbare Kriterien für Eingruppierung und Gehaltsfestlegung, regelmäßige Analysen möglicher Entgeltunterschiede, dokumentierte Prüf- und Korrekturprozesse, eine abgestimmte Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretungen sowie belastbare Daten- und Reporting-Strukturen.
Entgeltgleichheit wird so nicht nur zur regulatorischen Pflicht, sondern zum Ausdruck verantwortungsvoller Governance – und bietet Compliance die Chance, Integrität und gesellschaftliche Verantwortung sichtbar zu stärken.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier:
Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 064 vom 26. Februar 2026
ZDF-heute: Weiter große Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen
Baden-Württemberg Statistisches Landesamt: Equal Pay Day – Weiterhin hohe Verdienstungleichheit